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Exklusiv-Interview: Klaus & Genealogie

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Klaus der Kloß über sich und seine knolligen Ahnen aus Südamerika.

BILDchen: Klaus, Sie haben kürzlich in einer Pressemitteilung verlauten lassen, dass in Ihnen südamerikanisches Blut fließe. Wie ist das zu verstehen? Der Thüringer Kloß, eine brasilianische Erfindung?

Klaus: Nee. Falsch. Meine Familie, die Thüringer Klöße, stammt schon von hier. Unser thüringischer Familienstammbaum reicht allerdings gar nicht so weit zurück. Gerade mal 200 Jahre ist das vermutlich älteste schriftliche Thüringer Kloßrezept alt. Johann Kristian Kloß war der erste Thüringer Kloß. Ein Pfarrer aus Effelder nahe Sonneberg hat aufgeschrieben, wie er gemacht wurde.

BILDchen: Ich denke, der wurde von den Südamerikanern erfunden?

Klaus: Nee. Wieder falsch. Unsere Ur-Ahnen, die Kartoffelknollen, die kommen aus Südamerika. Sie lebten (man höre und staune) bereits vor über 8000 Jahren dort! Genauer gesagt, kommen sie aus dem Andenhochland, im heutigen Peru und Chile. Wir pflegen übrigens bis heute engen Briefkontakt zu unseren knolligen Verwandten aus Südamerika.

BILDchen: So, so. Interessant. Wieso sind Ihre Ur-Ahnen ausgewandert?

Klaus: Das ist das große Geheimnis. Keiner weiß genau, wann, mit wem und wieso sie nach Europa reisten. Meine Oma Käthe behauptet jedenfalls, es wären die Spanier gewesen. Sie spricht immer von Francisco Pizarro, der erst das Inkareich eroberte und dann einige Kartoffelknollen als Geisel mit nach Spanien nahm.

BILDchen: Spannend.

Klaus: Spanier, vielleicht waren es auch die Engländer – was macht das schon für einen Unterschied. Unseren Ur-Ahnen hat es hier wohl gut gefallen. Sie sind dageblieben und haben sich um 1600 auf den Weg gemacht, ganz Europa zu erkunden. Und, wie wir heute wissen, ging es ihnen hervorragend. Sie zierten als hübsche Kartoffelpflanzen die Fürstenhöfe. Sie ließen das Herz der Botaniker höher schlagen. Ihre zarten Blüten trugen die Frauen als Brautschmuck. Sie durften ab und an in Blumenvasen leben. Wer hätte nicht gern so viele Bewunderer?

BILDchen: Wie recht Sie haben.

Klaus: Nun ja. Jetzt kommt die Wende. Irgendwann entdeckte jemand, dass auch die unter der Erde wachsende Kartoffelknolle zu etwas zu gebrauchen sein muss. Und was machte man mit ihnen?

BILDchen: Sie benutzen sie zum Tennis spielen?

Klaus: Gänzlich daneben! Sie gaben die Kartoffeln einfach dem Vieh zu fressen. Wie anstandslos. Ein Frevel!

BILDchen: Hahaha. Die Thüringer sind fein raus. Sie haben aus den Kartoffeln die Thüringer Klöße gemacht.

Klaus: Langsam. Das hat noch mal weitere 200 Jahre gedauert. Erst um 1800 erkannten die Leute den wahren Wert der Knollen. Ab da an gab es Kartoffeln zum Frühstück, zum Mittag und zum Abendessen. Zumindest bei den Armen auf dem Land und in der Stadt. Ein Kartoffel-Boom begann, sozusagen.

BILDchen: Wie kam es denn zu dem Sinneswandel?

Klaus: Meine Tante väterlicherseits hat mir erzählt, dass es den Menschen erst richtig schlecht gehen musste, ehe sie bereit waren, die Kartoffeln selbst zu essen. Es gab miese Getreideernten, überall Hunger. - Überleg mal, der preußische Friedrich …

BILDchen: … wer?

Klaus: Na, der Große, nee, der Alte … der große, alte Fritz halt. Der musste zum Teil die Bauern mit Gewalt dazu zwingen Kartoffeln anzubauen.

BILDchen: Und die Thüringer?

Klaus: Die bauten glaube ich um 1750 Kartoffeln zum eigenen Verzehr an. Irgendwann hatten sie wohl die Nase voll von dem Kartoffeleinerlei und kreierten neue Speisen. Nämlich uns!

BILDchen: Sehr interessant …

Klaus: So ich muss jetzt zum nächsten Interview. War schön mit euch. Macht’s gut!

Aktualisiert ( Montag, den 14. Juni 2010 um 19:53 Uhr )